Baptist Lottenbach (bisher)

Interview mit der Wochenzeitung

Was hat Sie bewogen, für den Gemeinderat von Weggis zu kandidieren?

Seit 2011 bin ich Mitglied des Gemeinderates und engagiere mich als Gemeindeammann für die vielfältigen Aufgaben der Gemeinde. Die Arbeit ist äusserst vielseitig und spannend. Gerne möchte ich weitere vier Jahre für unsere Gemeinde tätig sein. Aufgrund der neuen Gemeindeordnung kandidiere ich jedoch als Gemeinderat, da es die Funktion Gemeindeammanns in Weggis ab Herbst nicht mehr gibt.

Wenn Sie gewählt werden, was möchten Sie unbedingt verändern oder neugestalten? 

Die finanzielle Situation der Gemeinde hat sich in den letzten 8 Jahren sehr positiv entwickelt. Der Bau des Schulhauses Dörfli und die Massnahmen gegen Naturgefahren, welche die politische Agenda stark beeinflusst haben, sind realisiert, die Schulden weitgehend abgebaut. Es ist an der Zeit, lange zurück gestellte Investitionen anzupacken. Das sind die Sanierung von Gemeindestrassen, allen voran die Gotthardstrasse und Strassen, die infolge der starken Bautätigkeit stark gelitten haben. Ein grosses Vorhaben ist das Lido Hallenbad. Auf Rigi Kaltbad möchte ich mit einer Erweiterung des Werkhofes eine unbefriedigende Situation verschönern. Auch die Verlegung des Ökihofes vom Röhrli in das Gewerbegebiet Weiher ist ein prüfenswertes Vorhaben. Einen Gemeindeammann darf man nicht nach seinen Wünschen fragen….

Wie viele andere Gemeinden muss auch Weggis seine Bauzonen verkleinern, eine schwierige Aufgabe. Welche Gebiete könnte man Ihrer Meinung nach am ehesten aus der Bauzone zurückzonen?

Die Vorgaben, welche Baulandflächen auszuzonen sind, macht der Kanton. Er hat auch die Kriterien festgelegt, die zur Bestimmung der Auszonungsflächen angewandt werden. Seitens Gemeinde sind wir über dieses Vorgehen nicht erfreut und setzen uns dafür ein, dass zur Bebauung geeignete Parzellen in der Bauzone belassen werden können. Betroffen sind nur peripher gelegene Grundstücke.

In Weggis soll ein neues Hallenbad für rund 16,9 Mio. Franken gebaut werden. Zukünftig rechnet man pro Jahr mit Kosten von rund 1,4 Mio. Franken für Unterhalt und Betrieb, die jedes Jahr die Erfolgsrechnung der Gemeinde Weggis belasten. Können wir uns dies leisten?

Das Projekt Ersatzneubau Lido Hallenbad ist in der Mehrjahresplanung berücksichtigt. Das bestehende über 50 Jahre alte Hallenbad aufrecht zu halten kostet bereits heute viel Geld. Ich bin überzeugt, dass ein attraktives Hallenbad an dieser einmaligen Lage auch erfolgreich betrieben werden kann und für die Einwohner von Weggis einen Mehrwert darstellt. Freizeit, Gesundheit und Sport sind heute ein Megatrend. Natürlich braucht es Mut, ein neues Hallenbad zu bauen. Die Bevölkerung entscheidet letztlich, ob wir uns das leisten wollen.

Die Wohnbauinitiative des Mieterverbandes ist vom Volk klar abgelehnt worden. Trotzdem muss das Anliegen der Initianten ernst genommen werden. Wie könnte die Gemeinde Weggis in Zukunft günstigen Wohnraum generieren? 

Der Gemeinderat nimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten Einfluss auf Bauvorhaben und ist bereit, bei privaten Bebauungen Vorteile zu gewähren, wenn preisgünstiger Wohnraum erstellt wird. Auch stellt die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft pro Familia den Werkhof Dörfli für einen Aufbau zur Verfügung, auf welchem demnächst acht preisgünstige Wohnungen erstellt werden. Die attraktive Wohnlage von Weggis und die tiefen Steuern sind Gründe für die hohen Wohnungsmieten im Dorf. Die Förderung von preisgünstigem Wohnen wird in Weggis eine Daueraufgabe bleiben.

Weggis steht vor grossen Investitionen; Hallenbad, Strassenunterhalt, Investition bei den Rigi Bahnen für die neue Bahn, usw. Muss die Gemeinde die Steuern erhöhen, um dies alles zu finanzieren?

Die Mehrjahresplanung weist nach, dass künftige Investitionen ohne Steuererhöhungen finanziert werden können. Die Steuerkraft der Gemeinde wird weiterhin hoch bleiben. Mit den sich im Bau befindenden Wohnungen sind auch gute Zuzüge zu erwarten, welche sich wiederum positiv auf die Steuerkraft auswirken werden.

Etliche Gemeindestrassen bedürfen einer dringenden Sanierung. Welche Strasse hat für Sie erste Priorität?

Erste Priorität hat die Gesamtsanierung der Gotthardstrasse. Auch sind Belagsschäden und Spurrillen zu beheben, die infolge der immensen privaten Bautätigkeit auf den Gemeindestrassen entstanden sind. Die Gemeinde achtet darauf, dass Sanierungsmassnahmen mit Leitungserneuerungen koordiniert werden können.

Infolge Rückgang der Schülerzahlen, müssen Klassen zusammengelegt werden. Wie sehen Sie diese Problematik, haben wir zukünftig zu viele (leerstehende) Schulräume? 

Die sinkenden Schülerzahlen und die Zusammenlegung von Klassen haben wenig Einfluss auf die Nutzung der Schulräume, da die Führung von Mischklassen mehr Gruppenräume benötigt. Es ist abzuwarten, ob sich der Trend, trotz vieler neu erstellter Wohnungen fortsetzen wird.

Als Dorfteil von Weggis fristet Rigi Kaltbad ein Mauerblümchendasein. Wie könnte man diese Situation ändern, respektive das Gebiet attraktiver gestalten?

Der Dorfteil Rigi Kaltbad hat sich rückblickend in den letzten Jahren, auch dank den Interventionen seitens der Gemeinde, sehr positiv entwickelt. Die Gemeinde hat auf Rigi Kaltbad viel investiert und ist laufend daran, Wege und Infrastrukturen zu erneuern und zu unterhalten. Verbesserungen wären angezeigt im Umfeld des Werkhofes. Weitere Steigerungen der Attraktivität, z.B. ein WC bei der Aussichtsplattform Känzeli, eine Verbesserung der Erschliessung durch die Luftseilbahn an den Randzeiten, etc. sind mit den verschiedenen Akteuren am Berg gemeinsam zu planen.